Mr. Omnipresent: Fujisan
Ach ja, was ein schöner Rahmen: Zu Beginn unserer Japanzeit konnte man die Fujispitze schön sehen und heute am Sonntag wieder! Ich war ja noch in SOKENDAI, und was will man mehr als Wind, Sonne, Wasser und einen schwebenden Fuji! Der Tag hat eh gut angefangen: Kleine Runde im Swimming Pool vom Shonan Village Center gedreht, anschliessend in die zugehörige Sauna, dann lecker Curry gekocht (also Sandra), tja, dann leider das Urlaubsresort SOKENDAI verlassen um in Tokyo noch ein wenig Immuncytochemie in der Uni zu betreiben…
Aber die Bilder sind so schön, da verzichte ich mal auf Thumbnails!
…oder ist es doch das schwebende Schloss Laputa? Als ich zumindest in der Uni ankam bot sich mir aus dem Fenster folgendes Bild:
Wunderschön, erst Fuji aus dem Osten dann aus dem Norden…
japanische Arbeitsmentalität
Darüber wird ja viel gemunkelt. Die Japaner kommen frühmorgens, arbeiten bis spät in die Nacht, Wochenende wird durchgearbeitet, uswusf…
Wie mit so vielen Gerüchten hat einiges einen wahren Kern, andererseits sind die Japaner auch nur Menschen. Das Bild hier zeigt unsere Labor-Anwesenheits-Magnetwand (inside/outside Komaba Campus), der aufmerksame Beobachter erkennt auf dem bräunlichen Sticker das Kanji für “Ookami”-Wolf. Das Bild habe ich gestern, Sonntag abends um halb acht gemacht, d.h. neben mir waren noch zwei da, aber das passiert bei uns in Marburg auch schon mal.
Ich habe Akihiro und Ryota mal gefragt was ihrer Meinung der Grund dafür ist, das Japaner am Wochenende so gern ins Labor gehen. Es kristallisierte sich folgendes heraus: Momentan ist es hier richtig schwül, so dass man eine Klimaanlage sehr zu schätzen lernt. Für die meisten japanischen Studis ist ein klimatisiertes Zimmer jedoch nicht erschwinglich (erst recht nicht in Tokyo!), und in der Uni ist sie umsonst. Ach ja, und bei den Pappwänden hier ist es im Winter zu kalt zu Hause. Da kann man ja dann das Angenehme mit dem Nützlichen… Erschwinglichkeit ist auch eine weitere Motivation in die Uni zu gehen. Viele in Tokyo verfügbare Freizeitaktivitäten sind schlichtweg zu teuer für die regelmäßige Nutzung durch die Studis.
Nur damit wir uns nicht falsch verstehen, gestern war das Labor nicht gerammelt voll mit Klimaanlage-Süchtigen armen Schluckern: Atsushi kam heute mit einem ziemlichen Sonnenbrand in die Uni - er hat das Wochenende mit Freunden am Strand verbracht…
Vortrag und Ich-Vortrag
Freitagabend hatte ich dann auch mal eine Willkomensparty mit Bier und Sushi in meinem Labor. Das heisst, erstmal habe ich einen Vortrag über meine Arbeit gehalten (90 Powerpoint-Folien, mein Chef wäre stolz auf mich gewesen - erst recht, da ich nur 1 Stunde brauchte…), und dann sollte ich mich selbst kurz vorstellen. Hm, da war ich ja erstmal überfragt. Was wurde da jetzt von mir erwartet? Ich erfuhr dann, dass es in Japan durchaus üblich ist neben seiner Arbeit auch seine Interessen mitzuteilen, um von den anderen eingeschätzt werden zu können. Quasi: “Guten Tag, ich bin Netzwerkbeauftragter und sonst spiele ich Tennis!”. Hier bleibt man seiner in der Schule gewählten Sportart in der Regel treu, und somit seinem Sportverein. Ferner bekam ich den Tipp: “If it’s funny, it’s good.”
Nun denn, nachdem ich in Deutschland so einiges in Bewegung gesetzt habe um an Bilder und dergleichen von mir zu kommen, schusterte ich “mein Leben” zusammen. Ziemlich gut kam der Filmtrailer an, und da viele in der AG hier es nicht glauben wollten, hier mein Bild als 18 Jahre alter Bassist der grandiosen Band “jason’s fault”:
Mensaessen
Das hier ist ein typisches Mensaessen. Im Gegensatz zu Marburg gibt es hier Fisch nicht nur Freitags, sondern als Option täglich. Nicht verkehrt, finde ich.
Ebenfalls täglich gibt es Reis, war ja klar. Und die unumgängliche Miso-Suppe (unten), an die ich mich inzwischen gewöhnt habe. Gegessen wird (zumindest in meiner AG) um 12 Uhr (lunch) und um 18 Uhr (dinner). Davor und danach wird fröhlich gearbeitet (auffällig hier: das Post-Mensa-Fett-Koma entfällt!).
Japan-Eigenheiten IV
Noch so ein Ding, was man ziemlich schnell lernt hier in Japan: Schuhe aus! Das gilt insbesondere in Wohnungen am Eingang, nochmal im speziellen für Schlafzimmer und Bad (hierzu später mehr), aber auch auf der Arbeit. Hier ist der Eingang zu meiner Arbeitsgruppe. Jedes Schläppchen findet hier seinen Platz, meine Leihschlappen haben die schöne Farbe mintgrün.
Weiter sind auf dem Bild links Schirme zu sehen. Ein mittlerweile unerlässlich gewordenes Utensil hier zur Regenzeit. Der vorherrschende Typ weiß/durchsichtig ist so billig, dass es fast üblich ist irgendwo einen mitzunehmen und ihn woanders wieder stehen zu lassen. Pragmatischer Kommunismus, für die Verweigerer gibt es Namensschilder.
Tokyo - Uni
…und dann ging es schon nach Tokyo!
Direkt von Tokyo-Station fuhren wir nach Komaba, so heißt mein Campus der University of Tokyo, als einer von vieren. Genaugenommen bin ich im “Research Center for Advanced Science and Technology”, kurz RCAST, in Komaba 2, der Neubaucampus mit den ganzen Science & Engineering-Bauten. Das sieht dann ziemlich schick aus und hat mich entfernt an Max-Planck-Institute erinnert:
Der ganze Gebäudekomplex ist aber schön eingebettet in eine Wohnsiedlung, hier die Nachbarn:
Schliesslich im Labor angekommen, bekomme ich von Ryota meinen Sitzplatz zugewiesen.
Ryota ist auch Doktorand und darf mir alles erklären und zeigen. Für mich ist er hier überlebenswichtig. Recht hilfreich ist, dass er mich entfernt an meinen Freund Flo erinnert - entfernt, zugegebenermassen.
Mein Sitzplatz im Großraumbüro erinnert mich dagegen schwer an ein Sprachlabor: jeder bekommt seine Box, das hier ist meine:
derwolf
ist 31 Jahre alter Bio-Doktorand, der gerade zwei Monate als JSPS-Stipendiat in Tokyo/Japan ist. Und weil das Massenmailschreiben immer so eine Sache ist, gibt es jetzt alle Infos hier.
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