Wolf und die Welt

Diverse Belanglosigkeiten

3.776 m - Fujisan!

Letzten Endes hat es doch noch geklappt mit der Fuji-Besteigung. Nach der Uni bin ich am Mittwochabend mit dem Direktbus von Shinjuku um 19:50 Uhr zur 5. Station der Kawaguchiko-Route (2.300 m) am Fujisan gefahren, es blieben also etwa 1800 m zum selberklettern. Dort war um 22:15 Uhr nicht mehr viel los, aber es wurden diese speziellen Fuji-Wanderstöcke verkauft (siehe Bild), inclusive Fähnchen und Glöckchen. Die unterschiedlichen Routen auf den Vulkan unterteilen sich in jeweils 10 Stationen, an denen man mit Unterkünften, Essen etc. versorgt wird. Das Wetter war eher diesig.

Fuji_stöckeFuji_Nebel

Ich bin recht fix aufgebrochen, da einige meinten dass es eng werden könnte zum Sonnenaufgang am Gipfel zu sein. Ich Vollidiot und Berg-Analphabet habe es natürlich übertrieben, habe die 6. Station direkt übersehen und bin in einer Stunde zur 7. Station gerannt. Bis zur achten Station habe ich es dann zwar etwas langsamer angegangen, war aber trotzdem um 10 vor zwölf da (Bild), entsprechend fertig sehe ich aus. Auch wenn ich alleine los bin - wirklich allein ist man am Fuji wohl niemals. Um einen rum sind diverse Klettergruppen mit Luke-Skywalker-Lichtschwert-Guides, die sich schön ihr Päuschen in den Hütten gönnen und natürlich ihre Brandstempel auf die Stöcke machen lassen - als Beweis der Besteigung.

Fuji_8th station Schwitzewolf Fuji_9th station Fuji_9th station_inside Fuji_9th station_branding

Gegen 2 Uhr morgens erreichte ich dann patschnass den Kraterrand, was Vor- und Nachteile hatte: Zwar konnte ich in aller Ruhe einen sehr guten Platz in der ersten Reihe für den Sonnenaufgang belegen, aber diesen Platz musste ich auch drei Stunden bis dahin in der eisigen Nasskälte besetzen, und nass war ich doch schon selber! Naja, ich hatte diverse Onsen-und heisse Duschen-Wunschträume zwischen Frierattacken, richtig kurzweilig ist Warten halt selten. Selbstverständlich befindet sich auch auf dem Kraterrand eine Vending machine, nur die Preise sind gesalzen. Für eine Flasche Wasser die im Tal etwa 100 Yen kostet zahlte man hier 400 Yen. Nichtsdestotrotz habe ich mir wegen der Kälte gegen halb vier eine heisse Maissuppe gegönnt - von Knorr.
Fuji_top_nightFuji_Vending_machineCorn soup

Und dann ging es los - gegen fünf Uhr begann es zu dämmern und langsam langsam wurde es heller. Das Ganze erinnerte mich sehr an einen Sonnenaufgang vom Flugzeug aus, nur ohne Scheibe und Bewegung. Auf dem mittleren Bild sieht man noch die Leute auf dem Weg zum Gipfel die es nicht mehr rechtzeitig geschafft haben - oder keinen Platz mehr fanden, es war gepackt mittlerweile.

Fuji_dawnFuji_dawn2Fuji_dawn3Fuji_dawn4Fuji_dawn5

Videoeindruck der Stimmung

Gegen sechs Uhr machte ich mich dann daran den Kraterrand entlangzuwandern. Hierbei bekam ich dann erste Symptome von Dehydrierung und Höhenkrankheit, ich hatte gut Kopfschmerzen, Probleme leichte Steigungen zu bewältigen und keinerlei Appetit.

Fuji_topFuji_top2Fuji_top3Fuji_top3Fuji_top4

Mit Ach und Krach schleppte ich mich noch zum höchsten Punkt des Fuji (3.776 m, yeah, mein persönlicher Rekord! Jonas, kein Kommentar!). Von dort hatte man auch einen schönen Blick auf den Schatten des Vulkans.

Fuji_summitFuji_Shadow

Dann ging es - zäh, sehr zäh - über den weiteren Kraterrand zurück zum Abstiegspunkt wo ich auch angekommen war. Mittlerweile war es sieben Uhr und ich schlief dann erstmal für 2 Stunden ein. Um viertel nach Neun begann ich mit dem Abstieg. Der Weg runter hatte die Konsistenz von sehr grobem Sandstrand was ich recht angenehm und knieschonend empfand. Andere kamen damit weniger gut klar. Im zweiten Bild sieht man wie zwei Bulldozer Versorgungsgüter über den Weg nach oben bringen. Der Vulkanstaub war etwas unangenehm, viele trugen Staubschutzmasken. Ach ja, und das Rucksackfoto ist natürlich für Sissi!

Fuji_goingdownFuji_CaterpillarFuji_goingdown2Fuji_Rucksack

Durch den ganzen Schweiss und Staub hatte ich schon Drahthaare bekommen, und der heisseste Tag Japans seit 73 Jahren verpasste mit noch einen schönen Sonnenbrand. Gegen 11 Uhr erreichte ich wieder die fünfte Station, bei der nun deutlich mehr los war als in der Nacht zuvor. Auf dem Platz schlief ich direkt wieder ein (und ich war nicht der einzige), dann ging es recht verschlafene zwei Stunden im Bus zurück nach Tokyo. Um 16 Uhr zu Hause angekommen stellte ich an meinen Füßen fest dass Vulkanstaub hervorragende Kriecheigenschaften besitzt. Ich verbannte sie schnell und gern mit dem Rest von mir unter Dusche - etwas worauf ich mich ungelogen seit drei Uhr morgens freute.

Fuji_dreckswolfFuji_fifth_StationFuji_feet

August 19, 2007 - Verfasst von Wolf | Fuji, Japan, Leute | | Keine Kommentare

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