Wolf und die Welt

Diverse Belanglosigkeiten

Urlaub - Tag 1 - Hiroshima

Mit unserem JR Railway Pass ging es am Samstag morgen um fünf (21.7.) los. Sandra und ich nahmen einen schicken Shinkansen (Hikari), der uns mit einmal umsteigen in Okayama in etwa 5 Stunden ins 900 Strecken-km entfernte Hiroshima brachte. Fotos werden nachgeliefert, da ich meinen vollen Memorystick bei Christoph in Kyoto auf dem Laptop zwischengelagert habe.

Was soll man zu Hiroshima sagen? Wir gingen zum Hypozentrum der Bombenexplosion (War mir nicht bewusst: um die Effektivität der Bombe zu verstärken wurde sie in etwa 600 m Höhe über der Stadt gezündet) und bekamen ziemlich beklemmende Eindrücke des Angriffs im Museum mit. Viele multimedial aufgearbeitete Einzelschicksale nehmen den Opfern die Anonymität einer Massenvernichtungswaffe. Zeitdokumente zur Atombombe (Entwicklung, Kosten, politische Entscheidungen, Abwurfsort, Abwurfs-LAND!, Stand des Krieges) lassen das Hauptargument (baldige Beendigung des Pazifik-Krieges) etwas dünn aussehen. Nach der Druckwelle (erst Über- dann Unterdruck) kam die Hitzewelle, dann die Strahlung. Die unmittelbare Opferzahl lässt sich nur auf +/- 10.000 genau angeben, die Spätfolgen bei den Überlebenden und deren Kindern halten immer noch an.

Nichtsdestotrotz - die Militärführung war selbst nach Nagasaki nicht zu einer Kapitulation bereit. Der Tenno entschied dies wohl eigenmächtig gegen seine Berater.

Seit Kriegsende schreibt der amtierende Bürgermeister von Hiroshima anlässlich jedes Atomtests eine Protestnote an das entsprechende Land, ich meine es sind inzwischen rund 600. Heute präsentiert sich Hiroshima als lebendige lebenslustige Stadt (die zehntgrößte Japans), die nicht nur auf den Bombenabwurf reduziert werden möchte (auch wenn ich es hier tue).

http://de.wikipedia.org/wiki/Hiroshima

Juli 31, 2007 Verfasst von Wolf | Gebäude, Gegend, Japan, Reise | | Keine Kommentare

Sommer-Alltag in Tokyo

Dieser nette Beitrag ist vielleicht leicht übertrieben, aber so in etwa spiegelt er meine tägliche Erfahrung (und offensichtlich nicht nur meine!) auf dem Weg zur Uni wider:

http://metropolis.co.jp/tokyorantsraves/381/tokyorantsravesinc.htm

Juli 31, 2007 Verfasst von Wolf | Eigenheiten, Japan, Leute | | Keine Kommentare

Prä-Urlaub in Yokohama/Sokendai

Der Reihe nach: Vorvorletztes Wochenende (14./15.07.) hat Michyio mich und Sandra eingeladen zu einem Schreinfest in ihrem Stadtteil von Yokohama. Letzten Endes kollidierte dies mit dem Taifun, daher gab es nur eine abgespeckte Version der Festivitäten. Aber den Gott im Schrein um den es hier ging (und der zum Nachbarschreingott zum Guten-Tag-Sagen getragen wurde) erahnt man hinter diesem Nikolaus/Kimono-Pärchen (Sandra/Michiyo).

Schrein Michiyo Sandra Santa Sandra

Letzlich geht es dort nach dem offiziellen Akt zu wie auf einer Kerwa/Kirmes/Schützenfest. Sprich, dort stehen jede Menge Fressbuden und Kinderbespassungsläden.

Einen davon will ich euch etwas näher bringen, den Goldfish-Catch-Stand.

AngelnAngeln2

Hierbei werden mit einer papierbespannten Kelle so lange Goldfische in eine Schüssel geschippt bis das Papier reisst. Je nach Anzahl der gefangenen Goldfische gibt es Preise (wieder Goldfische). Das “Spiel” erfreut sich hier großer Beliebtheit, und die Fische, die das Fangen/Freilassen/Fangen über sich ergehen lassen müssen sind wohl ansonsten Futterfische für größere Tiere. Naja. Auch die drei Mädels in Yukatas (nicht ganz Kimono) im Bild haben sichtlich Spass. Alternativ kann man natürlich auch mit Magnet-Angeln auf die Jagd gehen, siehe nächstes Bild. Japans gesamte Kultur ist einfach sehr Fisch-geprägt.

Angeln3

Anschliessend sind wir kurz zu Michiyo, und auf dem Weg gab es wieder so einen Mini-Betonmischer. Da das auf dem letzten Bild nicht so richtig rauskam, habe ich mal Michiyo gebeten einen adäquaten Größenmaßstab zu leisten:

Betonmischer_Michiyo

Isses nich süß? Michiyo bestätigte mir, dass Japaner NIEMALS für so ein Bild posieren würden normalerweise…

Apropos Autos: Das hier ist Michiyos Zweitwagen.

Jimmy Car

Na, wer hätte das erwartet? Naja, tatsächlich gehört es ihrem Nachbarn. Uns dreien war es ein Rätsel wie er mit dem Frontspoiler aus derTiefgarage kommt…

Den Abend haben wir dann in Michiyos Drittwohnsitz neben Uni und Wohnung verbracht: ihrer Stammkneipe, in der bereits Bio-Größen wie Uwe Homberg, Randolf Menzel und Friedrich Barth verköstigt wurden.

Kneipe

Die Besitzer waren überaus freundlich, und wir saßen bis etwa zwei Uhr am Tresen, nachdem das Besitzer-Pärchen um etwa elf Uhr das “closed”-Schild rausgehängt hatte. Selbst Michiyo war überrascht, als uns der Wirt zum Bier einlud!

Den ganzen Sonntag über hatten wir einen recht entspannten Tag in Sokendai, man kommt sich dort wirklich wie in einem Urlaubsresort vor. Als Tokyoter ist man vor allem beeindruckt von den Platzverhältnissen, dies hier ist der Gemeinschafts-Essraum. Auch ein Wiedersehen mit Jake und Roman (nicht im Bild) gab es hier, zwei weiteren JSPS-Fellows aus den USA. Um Tokyo etwas zu verteidigen, weggehen ist in Sokendai immer so eine Sache, da vertreibt man sich den Abend dann lieber mit so Spielen wie Münzdrehen auf dem Riesentisch mit Sake (zweites Foto).

Sandra_JakeJake_Sake

Juli 30, 2007 Verfasst von Wolf | Eigenheiten, Gegend, Japan, Leute | | Keine Kommentare

Urlaub vorbei!

So, für alle die schon seit geraumer  Zeit einen neuen Eintrag vermissen: ich bin gerade aus meinem einwöchigen Urlaub zurückgekommen… Sobald ich dazu komme wird dieser Urlaub (und das Wochenende davor) aufgearbeitet, versprochen!

Wie man sich denken kann ist allerdings dieses Blog nicht das einzige was aufgearbeitet werden muss, daher…

Soviel vorweg: Japan ist sehr sehenswert, eigentlich so günstig wie Deutschland, nur es könnte mehr Campingplätze vertragen! Wildes campen ist ja streng verboten.

Juli 29, 2007 Verfasst von Wolf | Japan, Reise | | Keine Kommentare

Prost!

Richtig. Für so ein Magazin kommt auch definitiv kein anderer Titel in Frage…

Prost

Etwas weiter gab es dann noch die Zeitschrift “Frau”, aber das müsst ihr mir jetzt so glauben…

Juli 19, 2007 Verfasst von Wolf | Eigenheiten, Japan | | 1 Kommentar

Yamanote-Line

So heisst sie, die Bahnlinie mit der ich jeden Tag zur Uni komme. Es ist die Ringlinie Tokyos, die den Vorteil hat auch nachts zu fahren. In der Yamanote gibt es kleine schöne Anzeigen die einem sagen wo man gerade ist - oder auch nicht.

Yamanote1

Naja, Vorteil für uns Westler, alle 15 Sekunden (geschätzt) springt die Anzeige um:

Yamanote2

Diese Fotos sind von Vincent (siehe früheren Post), daher befindet sich die Bahn auch in Ikebukuro, seinem Umsteigebahnhof nach Wakoshi (wo sich das RIKEN befindet). Meine Haltestelle ist Osaki (mit langem O, also Ooohsaki, siehe auch den Strich über dem “O”), von der aus ich bis Shibuya fahre. Die Zahlen geben die ziemlich genauen Zeiten an, die es dauert bis die entsprechende Station erreicht wird. Da kann man sich auch drauf verlassen.

Noch ein Schmankerl von unserer Fischmarkt-Aktion am letzten Wochenende: um fünf Uhr früh hat man tatsächlich Gelegenheit so ein Foto in Tokyo zu machen:

emptytrain

Ich weiss, ihr würdet alle lieber das Gegenteil zur Stosszeit sehen, aber zum einen hat man da anderes zu tun als zu fotografieren (festhalten, schlafen…), zum anderen ist das auch immer etwas peinlich, da man eigentlich blitzen muss… Immerhin, das Schlafen in der Bahn nichts ungewöhnliches ist, hat Vincent hier festgehalten:

ontrain

Juli 17, 2007 Verfasst von Wolf | Eigenheiten, Gegend, Japan, Reise | | 1 Kommentar

Naturkatastrophen aus aktuellem Anlass

Der ein oder andere hat es sicher schon in den Nachrichten gehört oder gesehen, hier in Japan ist mal wieder einiges los:

Es gab wieder ein stärkeres Beben mit Epizentrum vor der Westküste von Nord-Honshu, mindestens acht Menschen kamen um, diverse Häuser stürzten ein usw. Das Beben erreichte kräftige 6.8 auf der Richterskala, und angeblich schwankten sogar einige Hochhäuser im 250 km entfernten Tokyo. Moment mal - bin ich nicht in Tokyo? Nun ja, just zu dem Zeitpunkt (Montag 10.13 Uhr morgens) war ich zu Besuch bei Sandra in SOKENDAI, weitere 50 km südlich, und ich muss sagen wir haben NICHTS mitbekommen. Auch von dem folgenden Nachbeben (immerhin 6.6) um 23 Uhr haben wir nichts gespürt. Heute im Labor (Montag war Feiertag - Tag des Meeres) meinten aber einige, es hätte durchaus etwas geschwankt, wobei insbesondere das langanhaltende Schwanken bemerkenswert war.

Erdbeben

Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,494611,00.html

Allerdings überschattete das Erdbeben ein anderes Naturereignis, welches ebenfalls knapp an Tokyo vorbeiging:

Der Super-Taifun Man-Yi, der auf den südlichen Okinawa-Inseln schwere Schäden anrichtete und ebenfalls Todesopfer forderte.

Taifun

Quelle: http://metocph.nmci.navy.mil/jtwc.php

Wie aus der berechneten Route zu ersehen, lag Tokyo durchaus auf dem Weg!

Taifunroute

Quelle: http://www.nrlmry.navy.mil/atcf_web/image_archives/2007/wp042007.07071218.gif

Was soll ich sagen, zu dem Zeitpunkt war Sandra noch bei mir in Tokyo zu Besuch, und der Taifun hatte sich schon soweit abgeschwächt, dass ausser viel Regen nicht viel zu spüren war. Den Regen allerdings haben wir voll und ganz mitgenommen da wir abends in Shibuya unterwegs waren und den von uns gesuchten Club erst nach einer halben Stunde fanden. Anders erging es wohl unseren JSPS-Jungs in Fukuoka auf der südlicheren Insel Kyushu, die hatten am Samstag selbst auferlegtes Ausgehverbot wegen des Windes…

Juli 17, 2007 Verfasst von Wolf | Gegend, Japan | | 2 Kommentare

Tsukiji Fischmarkt

Nach einem ersten missglückten Versuch vor zwei Wochen haben Sandra und ich es diesen Samstag geschafft, um 5 Uhr auf den berühmten Fischmarkt in Tokyo-Tsukiji zu fahren. Dies ist einer - wenn nicht der - größte Fischmarkt der Welt, auf dem täglich von 4 Uhr bis etwa 10 Uhr alles was aus dem Meer kommt gehandelt wird.

Tsukiji1 Tsukiji2Tsukiji3Tsukiji4Wal

Dem aufmerksamen Beobachter ist sicher nicht entgangen, dass das Fleisch im letzten Bild etwas dunkel aussieht, und das Poster im Hintergrund lässt die Antwort erahnen: dies hier ist der Walfleisch-Stand. Es blieb der Einzige den wir sahen.

Frische besitzt im Land des Sushi und Sashimi (roher Fisch) natürlich einen extrem hohen Stellenwert:

Meine geliebten Oktopoden waren auch dabei:

lebender Oktopus

Insbesondere berühmt ist dieser Fischmarkt für seine Thunfischauktion, die um 7 Uhr schon abgeschlossen ist. Die Händler und Sushi-Meister gehen zwischen dem tiefgefrorenen Thun herum, betasten das Fleisch, leuchten, testen, beratschlagen…

Ist die Auktion vorbei, zieht jeder mit seiner Beute in die Kühllaster oder zum Zerteilen zu seinem Stand.

Thun verkauftThun verkauft2

NOCH teurer ist natürlich der frisch angelandete Thun, der auf Eis ankommt und von geübten Händen filetiert und zerlegt wird. Drei Werkzeuge sind hierbei immer im Einsatz: 1. der Haken, mit dem die Fische rumgezerrt werden (rechts), 2. das Filetiermesser von adäquat enormer Größe (Mitte), 3. die Säge, mit der die Wirbelsäule geteilt wird (links). Fast liebevoll wird der Fisch dazwischen geputzt und insgesamt behandelt.

Zerlegewerkzeug

Thun zerlegen

Die meisten Fische sind hierbei soo frisch, dass quasi kein typischer “Fischgeruch” in der Luft hängt. Im Anschluss an den Fischmarkt drängeln sich nicht wenige Japaner vor den umliegenden Sushi-Läden, um das garantiert frischeste Sushi zu geniessen. Es waren mal wieder so viele (schön in 2er-Reihen vor den Eingängen wartend!) dass Sandra und ich uns mit Take away-Sushi begnügten und uns nicht reinsetzten. Insgesamt ein sehr zu empfehlender Besuch, man muss sich lediglich ständig bewusst sein dass man hier dauernd im Weg steht - immerhin wird hier gearbeitet, und die wenigsten Händler und Arbeiter hier haben die Zeit oder Lust, mit ihren coolen Scootern auf Touris Rücksicht zu nehmen!

Juli 15, 2007 Verfasst von Wolf | Essen, Gegend, Japan, Leute | | 2 Kommentare

Yokohama

Yokohama ist immerhin nach Tokyo Japans zweitgrößte Stadt mit 3,5 Mio. Einwohnern; nichtsdestotrotz bin ich von meiner Wohnung schneller am Hauptbahnhof von Yokohama als in der Uni.

Sandra war zum Shoppen mit Michiyo verabredet und ich habe mich eingeklinkt - mit Option aufs ausklinken in manchen Geschäften. Letzten Endes war es aber doch ganz lustig, ein Stichwort genügte und Michiyo und ihre Freundin - beide stilecht im Kimono - brachten uns zum entsprechenden Geschäft. So auch unter anderem zum Einkauf des unabdingbaren Handtüchleins für Sandra:

handtuch

Im Anschlus an zwei Stunden Einkaufbummel schafften wir es noch, je etwa 20 Euro in einem Sushi-Restaurant zu lassen, aber die Feinheiten zwischen Thunfischbauch-, -mittel, und kopffleisch wollen schon herausgearbeitet werden!

sushi

Hiernach verabschiedeten sich Michiyo und ihre Feundin, und Sandra und ich entdeckten noch auf eigene Faust die Chinatown von Yokohama.

china2drachechina1

Abschliessend wanderten wir noch am Pier entlang durch den Yamashita-Park in Richtung des Landmark Towers, mit 296 m das höchste Gebäude Japans.

yokohama

Im Bild ist er leider fast verdeckt, aber am linken Rand hinter dem ersten Gebäude noch zu erahnen.

P.S.: Yokohama ist die Partnerstadt Bremens!

Juli 8, 2007 Verfasst von Wolf | Eigenheiten, Gebäude, Gegend, Japan, Leute | | 5 Kommentare

japanischer Friedhof

Auf meinem Spaziergang kam ich auch an einem Friedhof vorbei, und da gibt es ja schon einige Unterschiede:

Friedhof

Üblich ist die Verbrennung mit anschliessender Urnenbeisetzung im haka, dem Familiengrab. Insofern steht auf den Grabsteinen auch meist nur der Familienname. Die individuellen Namen der Verstorbenen finden sich bestenfalls auf der Rückseite des Grabsteines und ansonsten auf den sogenannten sotoba (Holzlatten mit Segenswünschen), die nach der Trauerzeit noch zu den Gedenktagen hinter das Grab in spezielle Halterungen gestellt werden. Die vor den Gräbern stehenden Büchsen und Tassen sind kein Zeichen von Verwahrlosung, sondern sollen an Vorlieben (Kirin Bier!) der Verstorbenen erinnern!

Juli 7, 2007 Verfasst von Wolf | Eigenheiten, Gegend, Japan | | Keine Kommentare